Hermann-Josef Baaken
Hermann-Josef Baaken

Stadt Neuss muß sparen - Sportvereine und Mitglieder sollen bluten

Liebe Vereinsmitglieder, als Vorsitzender wende ich mich heute in besonderer Angelegenheit an alle Mitglieder. In den letzten Wochen mußten Sie immer wieder durch die Medien erfahren, dass die Stadt Neuss auf Grund knapper Kassen Sparvorschläge macht, über die wir uns als Sportvereine nur wundern können. Vor allem wird "eine Sau nach der anderen durchs Dorf getrieben" - wie man so schön sagt, ohne sich offensichtlich über die Folgen und Irritationen bewußt zu sein. Es wurde noch nicht einmal vorher mit den Sportvereinen darüber gesprochen, höchstens mit einzelnen Funktionären. Die Schließung des Stadtbades ist mittlerweile vom Tisch, hoffentlich - wenn man den Beteuerungen der CDU-Fraktion und der F.D.P. glauben darf.

Eine weitere Idee ist die Übertragung der Bezirkssportanlagen auf die Stadtwerke Neuss oder die Bäder GmbH. Was das miteinander zu tun hat, weiß "der liebe Himmel". Dann wurde vermutet, die Sportvereine sollten die Schlüsselgewalt für Sportanlagen übernehmen (erste Platzwarte machten sich bereits Sorgen um ihren Arbeitsplatz und sprachen die Vereinsvorstände an).

Jetzt werden Nutzungsgebühren für Sportanlagen ins Gespräch gebracht. Hierzu hat der Vorsitzende des Stadtsportverbandes bedauerlicherweise über die Medien ein positives Signal gegeben und den Vorschlag befürwortet. Auch über diesen Vorschlag wurde mit den Vereinen nicht gesprochen. Lediglich die Schließung des Stadtbades war Gesprächsgegenstand mit Vertretern der CDU-Fraktion und zuvor mit dem Stadtsportverband.

Ich möchte Sie heute zunächst um Gelassenheit bitten, denn alle diese Vorschläge müssen noch intensiv diskutiert und dann erst im Stadtrat beschlossen werden. Ich werde als Vorsitzender eines großen Breitensportvereins darauf bestehen, dass die Vereinsvertreter (und nicht nur die Funktionäre in den Verbänden) vor einer Entscheidung gehört werden und insbesondere der Wert der Vereinsarbeit herausgestellt wird. Ohne den vereinsgebundenen Sport ist eine Gesundheitsversorgung heute nicht mehr so preiswert und sozialverträglich möglich. Durch die Erhebung von Gebühren werden die Sportvereine in ihrer Entwicklung beeinträchtigt und manchen sogar der Todesstoß versetzt.

Wir können als großer Sportverein mit unserer gelebten Solidargemeinschaft solche Gebühren sicherlich eher verkraften als kleine Vereine. Schon jetzt zeigt sich, dass wir mit dem Bau unseres Gesundheitszentrums unsere Unabhängigkeit erhöht haben. Dies konnten wir nur dank der großen Unterstützung der Mitglieder, die mit ihren Beiträgen dafür allerdings auch zahlen. Wer die Sportvereine zur Kasse bittet, vergreift sich an der ehrenamtlichen Arbeit, den Leistungen der Gesundheitsförderung und nutzt die vielen Tausend Mitglieder und Kursteilnehmer als Melkkuh für Fehler in den Kassen der Kommunen, die wir jetzt büßen sollen.

Der Vorstand wird die weitere Entwicklung intensiv verfolgen und die Mitglieder informieren.

Ihr
Hermann-Josef Baaken, Vorsitzender
17.10.2010